Klett-Cotta-Verlag Psychology
Debatte

Relationale Forschung – Praxis verändern


Juli 2017, 42. Jahrgang, Heft 3, pp 240-245

DOI 10.21706/fd-42-3-240



Zusammenfassung
Systemische Forschung richtet als »relationale« Forschung ihre Aufmerksamkeit weniger darauf, Forschungs-»Gegenstände« zu rekonstruieren, als vielmehr darauf, wie erkennende Subjekte zu diesen in Beziehung stehen. Es geht eher um die Bedingungen des Erkennens, also darum zu verstehen, wie Wirklichkeitsbeschreibungen erzeugt werden, und nicht darum, etwas zu finden bzw. zu »entdecken«. Am Beispiel der heftigen Debatte um »alternative Fakten« der neuen US-Regierung wird ein naives Verständnis des Konstruktionsmus kritisiert, das Folgendes nahelegen könnte: Wenn Wirklichkeit das Ergebnis sozialer Aushandlungsprozesse ist, müsse die Position der US-Administration genauso gültig sein wie die derjenigen, die dieser Position nicht zustimmen. Doch Konstruktionismus impliziert nicht Beliebigkeit der Konstruktion. Die Auseinandersetzung darüber, wie viele Teilnehmer an der Amtseinführung von Donald Trump im Vergleich zu Barack Obama teilgenommen hatten, sollte nicht auf der Ebene geführt werden, wie es »wirklich gewesen« ist. Eine relationale Forschung versucht zu verstehen, wie das, was jeweils als »Tatsache« gilt, erzeugt wurde und als rational betrachtet wird. So rückt die Frage in den Vordergrund, ob eine Haltung mit absolutem Anspruch auf Wahrheit mit Macht durchgesetzt werden sollte oder ob Forschung in der Lage ist, sich auf multiple Wissensgrundlagen zu beziehen und multiple Kenntnisse zu erweitern.

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https://doi.org/10.21706/fd-42-3-240

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